Dr. Moshé Feldenkrais

Die feine Kunst des Lehrens

Im Zentrum des Werkes des israelischen Physikers und Verhaltensforschers Moshé Feldenkrais steht die menschliche Bewegung und ihre Bedeutung für das biologische Lernen und die Persönlichkeitsentfaltung. Feldenkrais gehörte zu den großen Bewegern des 20. Jahrhunderts, der schon früh die damals gängigen Postulate, Lernen & Entfalten sei lediglich der Kindheit und Jugend vorbehalten, in Frage stellte. Er ging von einem lebenslang reifenden Nervensystem des Menschen aus bzw. von einer lernfähigen erwachsenen Persönlichkeit, die durch Achtsamkeit, Langsamkeit und einfühlsame Beschäftigung mit der eigenen Beweglichkeit eine grundlegende Selbstwirksamkeitserfahrung entfalten kann. Er lehrte nicht nur eine mechanisch fein organisierte Beweglichkeit, sondern dadurch einen menschenwürdigen Umgang mit sich selbst. "Wer kann sich nicht an Situationen in der eigenen Kindheit erinnern oder hat nicht schon einmal Kinder beobachtet, die vehement ihr Recht verteidigen, Dinge selbst zu begreifen, selbst herauszufinden, eigene Lösungen zu entdecken anstatt etwas Vorgekautes und Vorverdautes vorgesetzt zu bekommen" (Anna Triebel-Thomé). Und Amos Hetz, Weggefährte von Feldenkrais, dazu: "Wir können zwar nicht wie Kinder spielen, aber wir können die gleiche Hingabe entwickeln, die wir bei spielenden Kindern sehen".

Mit seinen Bewegungsstudien stand Moshé Feldenkrais im engen Austausch mit Milton Erickson (Hypnotherapie), Margret Mead (Anthropologie) und Heinz von Foerster (Kybernetik, Systemik) und Kano Jigoro (Begründer des Judo). Es bestehen Verbindungen zu den pädagogischen Ansätzen von Charlotte Selver, Elsa Gindler und Heinrich Jacoby.

Moshé Feldenkrais arbeitet mit unzähligen Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen: mit Kindern und Älteren, Sportlern, Künstlern, Behinderten und Nichtbehinderten, Hilfesuchenden und Bewegungsinteressierten. Zu seinen bekanntesten Schülern zählten der Violinist Yehudi Menuhin, der israelische Stastsgründer Ben Gurion, der Theaterregisseur Peter Brook.

Feldenkrais bildete zahlreiche TrainerInnen aus, die weltweit die Methode weiterentwickeln. Zu ihnen gehören Chava Shelhav, Miriam Pfeffer, Roger Russell, Mia Segal.

"Beweglicher werden heißt lebendiger werden,
physisch und psychisch" 

(Moshe' Feldenkrais)

         Moshé Feldenkrais (1904 - 1984)

 

Ben Gurion probiert den Feldenkrais-Kopfstand

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