Dr. Moshé Feldenkrais

Die feine Kunst des Lernens

Im Zentrum des Werkes des israelischen Ingenieurs, Wissenschaftlers, Kampfkünstlers und Bewegungsforschers Moshé Feldenkrais steht die menschliche Bewegungsorganisation und ihre Bedeutung für das organische Lernen und die Persönlichkeitsentfaltung.

Der Ausgangspunkt seiner Bewegungsstudien lag im Paris der vierziger Jahre, wo Moshé Feldenkrais die Aufmerksamkeit des Japaners Kano Jigoro, dem Begründer des Judo, auf sich zog und mit dem es zu inspirierenden Begegnungen kam. Meisterliches Judo zeichnet sich durch höchst effiziente und den mechanischen Bewegungsgesetzen geschmeidig angepasste Selbstverteidigungstechniken aus. Auf der Flucht vor den Nazis gelangte er zunächst nach London und Schottland. Nach Kriegsende widmete er sich in Tel Aviv umfassend der Erforschung von Bewegung und körperlichem Lernen. Von dort nahmen seine nach ihm benannten Methoden den Weg in die USA und Europa (hier vorallem in die Schweiz, Deutschland und England).

Feldenkrais blieb nicht bei den Kampfkünsten (Martial arts). Sein Forscherblick richtete sich auf die systemischen Wechselwirkungen von Bewegen, Spüren, Denken und Verhalten, was damals weit über die gängigen Postulate hinausging (Lernen & Entfalten sei lediglich der Kindheit und Jugend vorbehalten). Er ging schon früh davon aus - was heutzutage von den Neurowissenschaften bestätigt wird -, dass das menschliche Nervensystem lebenslang entwicklungsfähig ist, wenn geeignete Lernbedingungen geschaffen werden. Dazu gehören die Entwicklung von Bewusstheit bzw. Achtsamkeit sowie feinfühlige Beschäftigung mit der eigenen Beweglichkeit auf Seiten des Klienten sowie sanfte Anregungen und Impulse verbal oder manuell vermittelt durch den Lehrer. Dieser Prozess entfaltet schließlich eine grundlegende Selbstwirksamkeitserfahrung - für jeden Menschen, unabhänig von Alter, Herkunft, Wissen & Können sowie persönlicher Lebenslage.

Moshè Feldenkrais lehrte also nicht nur eine mechanisch fein organisierte Beweglichkeit, sondern dadurch einen menschenwürdigen Umgang mit sich selbst. "Wer kann sich nicht an Situationen in der eigenen Kindheit erinnern oder hat nicht schon einmal Kinder beobachtet, die vehement ihr Recht verteidigen, Dinge selbst zu begreifen, selbst herauszufinden, eigene Lösungen zu entdecken anstatt etwas Vorgekautes und Vorverdautes vorgesetzt zu bekommen" (Anna Triebel-Thomé). Es ist ein Kernanliegen der Methode, diese Qualität bis ins hohe Alter wachzuhalten. Amos Hetz, ein Weggefährte von Feldenkrais, meint dazu: "Wir können zwar nicht wie Kinder spielen, aber wir können die gleiche Hingabe entwickeln, die wir bei spielenden Kindern sehen".

Mit seinen Bewegungsstudien stand Moshé Feldenkrais u.a. im Austausch mit Milton Erickson (Hypnotherapie), Margret Mead (Anthropologie) und Heinz von Foerster (Kybernetik, Systemik). Es bestehen Verbindungen zu den pädagogischen Ansätzen von Charlotte Selver, Elsa Gindler und Heinrich Jacoby.

Moshé Feldenkrais arbeitet mit unzähligen Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen: mit Kindern und Älteren, Sportlern, Künstlern, Behinderten und Nichtbehinderten, Hilfesuchenden und Bewegungsinteressierten. Zu seinen bekanntesten Schülern zählten der Violinist Yehudi Menuhin, der israelische Stastsgründer Ben-Gurion, der Theaterregisseur Peter Brook.

Feldenkrais bildete zahlreiche TrainerInnen aus, die weltweit die Methode weiterentwickeln. Zu ihnen gehören Chava Shelhav, Miriam Pfeffer, Bruria Milo, Carl Ginsburg.

"Beweglicher werden heißt lebendiger werden,
physisch und psychisch" 

(Moshe' Feldenkrais)

         Moshé Feldenkrais (1904 - 1984)

 

Ben-Gurion probiert den Feldenkrais-Kopfstand

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